09 Juni 2018

Anika Droop und
Felix Wasser
aus Deutschland

Recent Posts

Abschied und Rückblick

Eine wunderbare Zeit geht zu Ende. Nach intensiven 5 Monaten mit der großen Shangilia-Familie hieß es am Mittwoch Abschied nehmen. Um uns gebührend zu verabschieden, haben wir den Morgen und Vormittag in der Bücherei verbracht und mit jeder Klasse und den Lehrern zusammen gefrühstückt. Bei Toast mit Nutella und Fruchtsaft konnten wir noch ein paar schöne Minuten mit den Kindern verbringen. Das Highlight waren die Fotos, die wir auf Computern gezeigt haben und als die Musik losging, hielt es keins der Kinder mehr auf den Stühlen und wir haben alle zusammen getanzt.

Wir blicken zurück auf 5 Monate voller unglaublicher Erfahrungen und Erlebnisse. In dieser Zeit haben wir zu nahezu jedem Kind eine enge Beziehung aufgebaut und viele schöne aber auch traurige Momente geteilt. Jedes dieser wundervollen Kinder hat jetzt einen großen Platz in unserem Herzen und wir haben uns schon vorgenommen Shangilia jedes Jahr zu besuchen!

Nach anfänglicher kurzer Eingewöhnungszeit konnten wir ziemlich schnell mit dem Unterricht beginnen. In unseren Computer-, Kunst- und Sportstunden mussten wir erstmal herausfinden, was die Kinder hier so mögen und was eher nicht. Im Sportunterricht hat sich dann herausgestellt, dass alle Klassen lieber Spiele spielen, als Techniktraining im Basketballunterricht zu machen. Schwierig war hier oft mit dem kleinen Platz, dem wenigen Material und dem Regen zurechtzukommen. Und so wurde vor allem das Wurfspiel Dodgeball immer wieder von uns aber auch von allen Klassen gefordert. Im Computerunterricht haben die Kinder einen Steckbrief angefertigt, eine Powerpointpräsentation gestaltet und einen Brief geschrieben. Hier war die Schwierigkeit, dass die Kinder sich teilweise zu dritt oder zu viert einen Laptop teilen mussten. Dadurch hatte dann jedes Kind nur ca. 10 Minuten Computerzeit. Im Kunstunterricht haben wir aus Zeitungspapier Schnecken gebastelt, mit Wasserfarben, Buntstiften und Wachsmalstiften gezeichnet oder Bücher gelesen.

Aber nicht nur der Unterricht hat den Kindern und uns viel Spaß gemacht. Auch die Nachmittage auf dem Skatepark waren für die Kinder immer wieder eine willkommene Abwechslung zum Schulalltag. Nicht nur auf den Skateboards sondern auch mit den Rollerskates beeindruckten uns die Kinder immer wieder aufs neue. Manche Kinder, die nicht so gerne skaten, nutzten die Zeit in der nur ihre Klasse auf dem Skatepark war, zum Basketballspielen oder einfach nur zum relaxen.

Besonders hervorzuheben sind auch die Dinge, die wir außerhalb Shangilias erleben konnten. Die Safaris in die Masai Mara und in den Nairobi Nationalpark sowie der Besuch in einer Elefantenaufzuchtstation und im Giraffenhaus gehörten zu den absoluten Highlights und wir waren begeistert von der Natur Kenias. Beeindruckt waren wir auch immer wieder, wenn wir mit den Kindern zusammen auf Ausflügen waren und die Kinder ihre Tanz- und Akrobatikperformances abgeliefert haben. Jedes mal waren wir unglaublich stolz „unsere“ Kinder auf der Bühne zu sehen, auch wenn wir nichts zu diesem Talent beigetragen haben.

Shangilia ist ein Ort, an dem sich ca. 30 Menschen intensiv, auf kenianische Art und liebevoll um die vielen Kinder kümmern. Fällt ein Kind beim Skateboardfahren hin und weint, so wird es kurzerhand wieder aufs Board gestellt, nachdem man ihm kurz übers Gesicht wischt und sagt „pole, pole“ (langsam oder Tut mir leid für dich). Auch wenn das für uns auf den ersten Blick etwas hart aussieht, stellt man nach einiger Zeit fest, dass alle Mitarbeiter (Hausmütter, LehrerInnen, Buchhalter und Koch) die Kinder gut im Blick haben und sich kümmern.
Die Zusammenarbeit mit den Lehrern hat auch immer reibungslos geklappt und man hat für jede spontane Terminänderung immer schnell einen Kompromiss gefunden. Generell ist es in Shangilia immer so gewesen, dass wir mit jeglichen Fragen oder Problemen zu jedem hingehen konnten und sofort alles mögliche in Bewegung gesetzt wurde, um die Frage zu beantworten oder das Problem zu lösen.

Nachdem wir an unserem letzten Tag mit dem Frühstück durch waren, wurden wir von der ganzen Schule mit Gesang und netten Worten verabschiedet. Danach mussten wir uns erst von den Community-Kids verabschieden. Am Abend haben dann die In-House-Kids noch eine Überraschung von uns bekommen. Jedes Kind hat eine Fotocollage mit Fotos von uns und sich selber bekommen. Es war ein sehr emotionaler letzter Tag, an dem auch einige Tränen geflossen sind. Aber wir haben uns fest vorgenommen Shangilia oft zu besuchen und die Kinder großwerden zu sehen.

Jetzt sind wir noch zwei Wochen in Kapstadt bevor es wieder zurück nach Deutschland geht. In den letzten Tagen vor unserem Abschied haben wir uns oft erzählt, auf was wir uns jetzt alles freuen, um den Abschied erträglicher zu machen. So freut sich vor allem Felix wieder auf die pünktliche „German-Time“, denn man verbringt in Kenia schon viel Zeit damit zu warten. Wir freuen uns auch wieder auf eine richtige Dusche, eine Waschmachine und eine eigene Küche. Denn auch wenn Margret und Nancy wirklich wunderbar für uns gekocht haben wird es auch schön sein sich sebst was man will und wann man will zu kochen. Was wir definitiv auch nicht vermissen werden ist der Verkehr und die hohen Mauern und Zäune mit Security Personal. Wir freuen uns einfach wieder zu jeder Tages- und Nachtzeit rausgehen zu können und uns frei bewegen zu könnnen.
Was uns aber vor allem in den letzten Tagen nochmal bewusst geworden ist: Nur ein einziges Lachen von einem der Kinder war jeden Verzicht wert!

Wir bedanken uns bei der wunderbaren Shangilia-Familie, bei allen Kindern und beim Personal für die einzigartige und fantastische Zeit, die wir erleben durften. Die Gastfreundschaft und die Hifsbereitschaft sucht wirklich ihres Gleichen! Danke Shangilia.