WG – Zuwachs

Spannend wurde es, als unsere WG wieder Zuwachs bekam. Am 4.9.23 landete Julia in Nairobi und brachte neuen Wind nach Shangilia. Zu dritt sind wir in den letzten drei Wochen nun schon ein super Team geworden. Julia hat sich sehr schnell eingelebt und mit ihrer lieben Art innerhalb weniger Stunden die Herzen der Kinder erobert. Sowohl den Haushalt als auch alle Aufgaben in der Schule oder während des Nachmittagsprogramms, bestreiten wir nun gemeinsam.

Julia: „Ich bin genau wie Caro und Ida 18 Jahre alt und habe dieses Jahr mein Abitur in Bonn gemacht. Während meiner Abiturzeit und in den Wochen danach stieg die Vorfreude auf Shangilia bis der Tag meines Abflugs endlich kommen sollte. Vor drei Wochen war es dann so weit und ich stand am Gate mit der Aufschrift Nairobi, Kenia. Ein Flug in ein fremdes Land, auf einen fremden Kontinent, zu fremden Menschen. Es war ein gruseliges Gefühl zu wissen, dass ich erst im nächsten Jahr wieder auf deutschem Boden sein würde. Dieses Gefühl verflog jedoch schnell als ich nach dem 8 stündigen Flug den Flughafen verließ und der Fahrer von Shangilia, Mwangi, der mich abholen sollte, mit dem Shangilia Schild vor dem Ausgang warten sah.

Da es bei meiner Ankunft schon spät abends war, wurde ich direkt vor die Tür unseres Appartements gebracht und von den beiden anderen Volontärinnen herzlich in ihre (nun also unsere) WG aufgenommen.
Herzlich wurde ich auch von den Kindern und LehrerInnen begrüßt, zum Beispiel als ich am nächsten Morgen beim „serving lunch“ (Essen austeilen) half. Dort wurde ich mit mehreren Umarmungen und High fives willkommen geheißen. Auch beim Mathe Support hieß es direkt „Schön dich kennen zu lernen, fühl dich wie zu Hause“ und „Mambo“ (Kiswahili: Wie geht es dir?). Mittlerweile kenne ich auch einige Äußerungen auf Kiswahili und weiß, dass meine Antwort „Poa“ (mir geht es gut) zu einem zufriedenen Lächeln beim Gegenüber führt. Abgesehen von einzelnen Wörtern auf Kiswahili bin ich mittlerweile mit meinen Aufgaben vertraut und kenne alle Kinder, wobei ich zugeben muss, dass ich mir die Namen bei 200 Kids noch  nicht alle merken kann.“

Außer Julias Ankunft war in den letzten Wochen in Shangilia wieder viel los.  

So zum Beispiel standen Mitte September die Mid Term Exams an. Innerhalb von zwei Tagen wurde der Leistungsstand aller SchülerInnen in Form von Tests und Klausuren geprüft. Und das in allen Fächern. Am Tag zuvor wurden noch einmal die Tests der letzten Jahre wiederholt, damit alle bestmöglich auf die bevorstehenden zwei Klausurentage vorbereitet sind. Die älteren SchülerInnen sah man bis spät abends in den Klassenräumen Aufgaben besprechen. Dann hieß es Kopf anstrengen: Für die älteren Jahrgänge gab es innerhalb von zwei Tagen sechs Klausuren à 2 Stunden und auch bei den Jüngeren wurde der Wissensstand in Mathe, Englisch, Kiswahili und allen weiteren Fächern überprüft. Auch für die LehrerInnen und uns Volontärinnen hieß es umdenken. Wir wurden Klassen als Aufsichtsperson zugewiesen und halfen beim Korrigieren. Vor einem halben Jahr waren wir selbst noch in der Position eines Prüflings gewesen und jetzt waren wir die Person, die auf die verbleibende Zeit hinwies. Eine ungewohnte Situation. Aber tauschen wollten wir mit den Kindern um ehrlich zu sein auch nicht. : )

Nach diesen zwei intensiven Tagen kam ein Event am Wochenende deswegen wie gerufen. Ein Basketballverein organisierte am Sonntag das volle Programm: man sah Kinder auf der Hüpfburg toben, während andere mit den Besuchern Basketball spielten. Gleichzeitig wurde vor Ort frische Pizza gebacken und ein DJ sorgte für gute Stimmung. Während einer kurzen Pause vom Spielen liefen einige Kinder mit vom Eis verschmierten Mündern an uns vorbei. Der Stress der letzten Woche war vergessen und die Kinder konnten mit neuer Energie in die nächste Woche starten.

Zu dritt hatten wir in den letzten Wochen auch wieder viele Möglichkeiten, Kenia zu besichtigen. Immer wieder wird uns von den Menschen vor Ort ans Herz gelegt, dass wir uns unbedingt viel in Kenia angucken sollen, um das Land außerhalb von Shangilia kennenzulernen. Es ist schön für uns dahingehend solche Unterstützung und hohen Zuspruch zu erfahren.

An unseren vergangenen freien Tagen haben wir uns somit für einen Besuch des Giraffencenters, eine Wanderung durch den Karura Wald (mit großem Wasserfall) und eine Besichtigung der Bomas of Kenya entschieden. Letzteres ist ein Freilichtmuseum, das die Hütten der verschiedenen indigenen Gruppen aus Kenia ausstellt. Man erfährt viel über die Lebensweisen der Menschen, die teilweise vor Jahrhunderten gelebt haben und erhält zum Schluss eine interessante Vorführung der traditionellen Tänze.

Schneller als gedacht, geht nun schon die siebte Woche für Ida und Carolin zu Ende, die Tage vergehen hier wirklich unglaublich schnell. Mit der Zeit lebt man sich immer mehr in die Gemeinschaft in Shangilia ein und findet sich besser mit den vielseitigen alltäglichen Aufgaben zurecht. Dadurch kann man auch mehr eigene Ideen zum Beispiel in den Unterricht einbringen. So haben wir das mittlerweile sehr beliebte online Spiel Kahoot hier ins Leben gerufen. Dort kann man verschiedenste Fragen in allen möglichen Fächern vorbereiten und spielerisch beantworten. Sowohl die Kinder als auch die Lehrer sind total begeistert und werden es mit Sicherheit auch nach unserer Abreise hier weiterhin mit Freude nutzen.

Auch im Math Support und im Deutschunterricht kennen wir uns inzwischen besser aus und sind nun auf dem richtigen Stand die Lehrer in ihren Stunden größtmöglich zu unterstützen. Selbstverständlich hat ebenfalls der Besuch von Silvia und Ilka in dieser Woche, welche normalerweise den Zoom-Unterricht für das Fach Deutsch machen, dazu beigetragen. Insbesondere für die Deutschstunden konnten wir zusammen mit ihnen und auch Anja, welche für zwei Wochen hier zu Besuch ist einen neuen Plan erarbeiten. Zum einen wollen wir noch mehr den großen „Muttersprachlervorteil“ der Volontäre nutzen und zum anderen ist das Ziel mit mehreren unterschiedlichen Materialien, wie zum Beispiel Postern, zu arbeiten.

Wir freuen uns und sind gespannt, wie die nächsten drei Schulwochen ablaufen werden.

Danach starten die langen Ferien in Shangilia, welche bis in das neue Jahr andauern und somit auch bis zum Ende unserer Zeit hier. Anfang der Ferien heißt es dann wieder für uns sich neue Aufgaben und Aktivitäten zu überlegen, um die Tage für die Kinder spannend und aufregend zu gestalten.

Langweilig wird es hier auf jeden Fall nie 🙂