Lange Ferien in Shangilia

Als Ende Oktober die Ferien in Shangilia begannen, änderte sich der Alltag von uns Volontärinnen: Nun waren die Kinder mittags nicht mehr im Unterricht und es waren viel weniger LehrerInnen vor Ort, die die Kids bespaßen konnten. Dementsprechend mussten wir uns einige Bastelprojekte und andere Aktionen überlegen, damit es den Kids nicht langweilig wurde. Einen neuen Plan zu erarbeiten war gar nicht so einfach, da wir uns erst in der neuen Situation zurecht finden mussten. Zudem war der Skate Park wegen Bauarbeiten nur teilweise nutzbar und die Bücherei konnte auch nur bedingt geöffnet werden.

Jede Woche kamen zwei LehrerInnen vormittags in die Schule, um die älteren SchülerInnen bei den zuvor aufgegebenen Hausaufgaben zu beaufsichtigen. Unsere Aufgabe war es in der Zeit die Vorschulkinder zu betreuen und sie ein wenig in Fächern wie Englisch und Mathe zu fordern. So wurden Mathe Videos geschaut, Bücher zusammen gelesen und Mandalas gemalt. 

Nachmittags stand wie gewohnt Skaten auf dem Plan, wobei die Kids wegen der momentanen Regenzeit oftmals erst mit der Säuberung des Skateparks beschäftigt waren. Aber auf das geliebte Skaten wollte niemand verzichten und so schnappten sich alle einen Besen und halfen mit.

Abgesehen vom Ferienprogramm mit allen Kindern hatten wir diesen Monat jedoch noch anderweitig die Möglichkeit uns einzubringen: mit drei jungen KenianerInnen übten wir wöchentlich Deutsch, um sie auf ihre bevorstehende Ausbildung in Deutschland vorzubereiten. Die drei haben über Anja Fabers Organisation einen Ausbildungsplatz in Deutschland bekommen. Damit sie im nächsten Jahr bestmöglich in Deutschland zurechtkommen, übten wir zusammen fließig zu sprechen und beantworteten alle möglichen Fragen wie z.B. „was sind Tabu Themen beim Smalltalk in Deutschland?“ oder „wann muss ich eigentlich Siezen?“.

Außerdem hat Julia seit ein paar Wochen drei Geigenschülerinnen, denen sie auf einer alten Geige von Teacher Ken das Geige spielen beibringt. Weil die drei Mädchen schon seit mehreren Jahren ein Teil der Brassband sind, haben sie bereits viele musikalische Vorkenntnisse und machen erfreulicherweise schnell Fortschritte. Auch andere Kinder sagten uns, dass sie gerne mal auf der Geige spielen würden und Teacher Ken hat schon beim Direktor angefragt, ob er mehr Geigen organisieren könnte. Wer weiß, vielleicht kann man bald neben der Brassband ein Geigen Ensemble beim Proben hören…? 🙂

Außerdem konnten wir auch diesen Monat unsere Urlaubstage wieder gut nutzen, um etwas Neues von Kenia zu sehen. Mitte des Monats fuhren wir nach Kisumu und waren überrascht, dass die ländliche Gegend von Kenia doch nochmal ganz anders ist. Viele Menschen schienen so, als hätten sie noch nie einen hellhäutigen Menschen gesehen und uns wurde immer wieder „Mzungu“ hinterhergerufen, was Swahili ist und „Weißer“ bedeutet. Dennoch hatten wir eine schöne Zeit und konnten uns den Kakamega Forest und den Victoria See ansehen. 

Durch die Partnerschaft zwischen Shangilia und der internationalen Schule in Nairobi war es uns möglich, diese mit einem Teil der Kinder zu besuchen. Beim ersten Mal haben wir ein Kunst-Projekt begleitet, bei dem wir uns gegenseitig zeichnen sollten und die Kinder mit Acrylfarbe viel Spaß beim Malen hatten. Zwei Wochen später durften wir uns das Musical „Mamma Mia“ ansehen, das von der Theater-AG im hauseigenen Theater aufgeführt wurde. Wir waren sehr erstaunt über die hohe Professionalität und die Kinder waren total begeistert, mal ins Theater gehen zu können. 

Diese Partnerschaft ist für Shangilia wirklich ein großer Gewinn. Die Kinder haben so die Möglichkeit neue Dinge und andere Menschen kennenzulernen und mit ihnen Aktionen zu erleben. Wir selbst waren auch sehr erstaunt darüber, wie groß und gut aufgestellt diese Schule ist. Welche Schule hat schon einen eigenen Theatersaal?

Dieser extreme Unterschied zwischen arm und reich wurde uns noch am selben Tag des Musicals bewusst, als wir morgens drei Kinder und ihre Familien im Slum besucht haben. Eine beeindruckende Erfahrung, die uns sehr getroffen hat und wir kaum in Worte fassen können. Ein Leben auf engstem Raum ohne Strom und Fenster und in der ständigen Angst, ob man den nächsten Tag wegen Hunger oder Gewalt überleben wird, ist für uns unvorstellbar. Im Slum ist dies jedoch leider Alltag. 

Schon wieder ist ein Monat vergangen, mit dem wir viele eindrucksvolle Erinnerungen und herausfordernde Ereignisse verbinden. Für Ida und Carolin neigt sich die Zeit nun schon dem Ende zu, da sie in zwei Wochen bereits nach Hause fliegen. Julia bleibt noch bis kurz nach Weihnachten in Shangilia und wird die neue Volontärin Lea einarbeiten.