Fine

Weihnachtsferien 2019

Fine

Weihnachtsferien 2019

Blogeintrag Weihnachtsferien 2019

25 Dezember 2019

Weihnachtsferien

Nachdem wir im letzten Beitrag auch unsere Achtklässler*innen in die Ferien entlassen haben, kann ich ja nun endlich beschreiben, wie die für uns Volontär*innen so aussahen…:

Die erste große Veränderung hatte ich ja schon angeschnitten; weil so viele Kinder über die Ferien nach Hause fuhren, verblieben wir mit einer wesentlich kleineren Gruppe. Dadurch ergaben sich einige Vorteile für die Arbeit mit den Kindern: zum einen wurde der selbstverständlich meist hohe Geräuschpegel in Shangilia deutlich gesenkt und wir konnten uns besser mal auf einzelne Kinder konzentrieren und diese (und ihre Namen) dadurch besser kennenlernen (bzw. lernen). Zum anderen wurde die Zahl unserer Mathenachhilfeschüler*innen reduziert und auch hier konnten wir uns besser auf einzelne fokussieren, da wir die anwesenden Kinder häufiger in der Woche fördern konnten.

Für die Kinder war es zwar schön, mehr Aufmerksamkeit zu bekommen, man merkte ihnen aber schon an, dass viele ihre Freund*innen vermissten und sich mehr langweilten, genauso wie es für viele nicht einfach ist zu wissen, dass sie niemanden haben, zu dem sie in den Ferien fahren können.

Diese Langeweile und bisweilen schlechte Laune versuchten wir Volontär*innen mit unserem umfangreichen Programm auszugleichen: morgens gaben wir Mathenachhilfe für die Schüler*innen, die noch da waren. Wir hatten die Nachhilfe zwar auf den Vormittag gelegt (um halb zehn waren die Kinder auch schon eine ganze Weile wach)), damit unsere aller Konzentration in Topform war. Die Kinder waren trotzdem nicht allzu motiviert, in den Ferien morgens Matheaufgaben zu lösen, wenn alle anderen nichts machen mussten. Bis auf einige sehr schwierige Ausnahmen (unser liebstes Mathe-Geschwisterpaar Leah und Bonni), ließen sich die meisten mit ein paar Mathe-Spielen auf der einen und Sturheit von uns auf der anderen Seite aber zum Rechnen bewegen.

Nach der Nachhilfe standen dann für uns drei unterschiedliche Sachen an: Jonas gab jeden Tag einem anderen Kind Gitarrenunterricht und ich hatte einen Buchclub gegründet und versuchte so, an verschiedenen Tagen Kleingruppen unterschiedlichen Alters für Bücher als etwas vom Schulunterricht unabhängiges zu begeistern. Ricardo variierte zwischen verschiedenen Ballsportarten, die er in der Zeit mit interessierten Kindern spielte.

Im Anschluss an unsere Mittagspause teilten wir drei uns dann in wechselnde Gruppen auf: zwei von uns spielten mit Kindern Gesellschaftsspiele im Speisesaal, der*die Dritte bot in der Bücherei Mathe-Spiele an. Diese (zu denen wir z.B. auch Kniffel zählten) waren beliebter, als sich das auf Anhieb vermuten lässt was wahrscheinlich viel mit der Liebe der Kinder zur Bücherei zusammenhängt. Dass ich das beurteilen kann liegt daran, dass sich bald einpendelte, dass ich die Mathe-Spiele spielte und die Jungs im Speisesaal waren, was mir ganz recht war, aufgrund einer der größten Herausforderungen, denen wir Volontär*innen uns in den Ferien stellen mussten: dem Fernseher.

In der Schulzeit dürfen die Kinder diesen vernünftigerweise nur freitags- und samstagsabends und nicht allzu lang benutzen. In den Ferien wurden diese Regeln aber deutlich gedehnt und einige Kinder saßen schon nachmittags (wenn auch selten lange am Stück, dazu sind die meisten zu gerne draußen und die gemeinsamen Nenner für ein Fernsehprogramm zu selten) im Speisesaal, um den Ferienluxus zu nutzen. Dadurch gestalteten sich die Spiele im selben Raum oft schwierig und durch die Stimmen oder die Musik, gegen die man anreden musste, auch anstrengend . In manchen Momenten war es im Speisesaal auch besonders voll, was mich zur nächsten Herausforderung bringt: dem Regen.

Wie schon erwähnt, befanden wir uns seit Anfang Oktober in der Regenzeit, die dieses Jahr auch besonders stark und lang war. Diese verstärkte Form kommt wohl alle paar Jahre vor und in anderen Teilen Kenias sind aufgrund von Überschwemmungen immer wieder mehrere Menschen gestorben, wie wir voller Entsetzen hören mussten. Hier in Nairobi sind wir dank der hohen Lage und der besseren Infrastruktur als im ländlichen Raum zum Glück besser dagegen gefeit.

Für uns stellte der Regen daher kein lebensbedrohliches, sondern nur anstrengendes Problem dar, denn sobald es tagsüber mal wieder regnete, saßen direkt mehr, wenn nicht alle Kinder im Speisesaal.

Der Regen hatte auch Einfluss auf unseren Programmpunkt nach den Spielen, der im Regelfall von Ricardo und Jonas übernommen wurde: bei schlechtem Wetter konnten die Kinder natürlich nicht skaten. Dadurch hatte ich zu der Tageszeit in der Bücherei mehr zu tun und mehr Kinder sahen fern.  Welches Problem resultierte wohl daraus? Wie sich die meisten Leser*innen bestimmt denken können, waren die Kinder dadurch, vor allem abends, unglaublich unausgelastet. Das bekam ich dann nach dem Abendessen fast so sehr ab wie Kinder, die sich im Zuge des falschen Nutzens der angestauten Energie verletzten (als sich Bonni, ein sowieso recht temperamentvoller Zweitklässler, eine Platzwunde auf der Stirn holte, wurde eine Reduzierung der Zeit vor dem Fernseher veranlasst). Meine Abende in der Bücherei hingen deutlich vom Wetter am Nachmittag ab; hatten die Kinder sich viel bewegt, verlief das Aufräumen wesentlich reibungsloser als im gegenteiligen Fall.

Unser letzter Kontakt mit den Kindern am Tag wurde leider auch durch den Fernseher beeinflusst, denn jetzt waren die Kinder weniger erpicht darauf, etwas von Ricardo bzw. mir vorgelesen oder von Jonas Lieder vorgespielt und -gesungen zu bekommen. Mit der Zeit kamen viele Kinder zwar darauf, erst unser Gute Nacht-Ritual zu vollziehen und einfach danach fernzusehen, die abendliche Stimmung war dennoch nicht so schön wie in der Schulzeit.

Wie jetzt hoffentlich deutlich geworden ist, waren unsere Ferientage von Montag bis Samstag nicht ohne, nur am Sonntag fingen wir erst nach dem Mittagessen an, weil die Kinder morgens im Gottesdienst waren. Sah zwar von den Programmpunkten her jeder reguläre Tag ziemlich gleich aus, so fragten uns selbst am Ferienende immer noch morgens Kinder, ob wir nicht den Skatepark oder die Bücherei aufmachen könnten… Die zwei Sachen sind einfach zu beliebt, als dass die Kinder es einsehen könnten, sie nur ein Mal am Tag zu genießen.

So viel zu dem Programm, das wir Volontär*innen ausrichteten, die jeweils für die Woche eingeteilten Lehrer*innen bespaßten vor allem morgens die Kinder, die wir nicht unterhielten. Zwar sind die Sommerferien hier schon sehr lang, dadurch, dass Shangilia aber nicht nur eine Schule ist, haben unsere Lehrkräfte nicht den Alltag in den Ferien, den ihre das hier lesenden Pendants so erleben.

Natürlich gab es auch ein paar Tage, die sich von den regulären abhoben, hier ein paar Beispiele: im letzten Beitrag hatte ich angesprochen, dass die meisten kenianischen Stadtkinder (sofern sie nicht der reichen Oberschicht angehören) wenig vom Kenyan Wildlife mitbekommen. Aufgrund dessen freuten sich unsere älteren Kinder umso mehr, als der Kenyan Wildlife Trust es den interessierten (fast allen, darunter auch einige Community Kids, trotz Ferien) mindestens Vierzehnjährigen ermöglichte, dass sie das Nairobi Giraffe Center (für jede*n einen Besuch wert!) und eine Tieraufzuchtstation für viele verschiedene Spezien besuchen konnten. Aufgrund der begrenzt verfügbaren Plätze konnten wir Volontär*innen zwar leider nicht mitkommen, wir freuten uns aber, dass die Kinder Spaß auf dem Ausflug hatten und kümmerten uns währenddessen gerne um die verbliebenen Jüngeren.

Eine andere Möglichkeit, den Shangilia-Kindern etwas außerhalb ihres Zuhause zu zeigen, bietet eine Kooperation zwischen der Internationalen Schule Kenias (ISK) und unserer Schule. Diese ermöglicht es nicht nur unseren Kindern, etwas anderes zu sehen, einige Schüler*innen veranstalten an den Mittwochnachmittagen auch verschiedene Aktivitäten mit der wechselnden Gruppe an Shangilia-Kindern, die auf das enorme Gelände kommen: mal wird Theater gespielt oder getanzt, mal der gut ausgestattete Kunstraum genutzt oder Fußball gespielt. Parallel dazu kommt eine feste Gruppe an ISK-Schüler*innen zu uns und richtet bei uns Clubs aus, wie z.B. Flötenunterricht. Dadurch profitieren nicht nur unsere Kinder, wie ich vom Mitglied einer anderen internationalen Schule in Afrika erfahren habe, ist es für die Schüler*innen dieser extrem gut ausgerüsteten Privatschulen (die mit Ausnahme der Stipendiat*innen zur reichen Bildungselite gehören) Pflicht, sich zu einem gewissen Maße i“n die Community einzubringen“. Wenn das in solch sinnvoller Form wie mit Shangilia geschieht, befürwortet das jede*r von uns Volontär*innen, die wir bei unseren Begleitungen zur ISK gesehen haben, in was für einer völlig anderen Welt diese Kinder leben, mitten in Nairobi, dessen mehrheitliches Gesicht wir wesentlich mehr sehen.

So seltsam sich das vielleicht auch für einige Menschen in Deutschland anhören mag: bei meinem ersten Besuch der ISK fühlte ich mich relativ unwohl. Sind die wohlhabenden Oberstufenschüler*innen mir zwar alterstechnisch und normalerweise auch vom Lebensstandard her ähnlicher als die Shangilia-Kinder so fühlte ich mich mehr als ein Teil von Shangilia als wie einer von den vielen „Wazungu“, den vielen Weißen.

Bei anderer Gelegenheit fühlten wir uns zwar auch wie ein Teil von Shangilia, wurden aber als Wazungu angesehen. Wie ja bestimmt bekannt ist, werden in Shangilia verschiedenste darstellende Künste gefördert, wie Theater spielen, Akrobatik, Tanz und Musik in Form unserer Brassband. Da wir, gerade am Wochenende oft Besucher*innen bei uns haben, werden die Performances zwar oft gewürdigt, trotzdem freuten sich die Kinder, als ihnen eine Möglichkeit gegeben wurde, sich mit Gleichaltrigen zu messen: an einem Tag in den Ferien fuhren die Kinder, die etwas zu präsentieren hatten, begleitet von zwei Lehrern, dem Hausvater Matthew und uns Volontär*innen (den Wettbewerb wollten wir alle gern sehen, auch weil wir die Proben verfolgt hatten) nach Karen, einem recht weit von unserem Loresho bzw. Kangemi entfernten Stadtteil. Dort befinden sich mehrere Einrichtungen von Don Bosco und nachdem wir erst zu zweien gefahren, bei denen wir irritiert weiter verwiesen wurden, kamen wir bei den Bosco Boys, einer Schule an, die ihre Räumlichkeiten zur Verfügung stellte. Als dann nach einiger Zeit alle Gruppen angekommen waren,  fing das Programm damit an, dass der Moderator die Menge aufwärmte, indem er mit ein paar „Freiwilligen“ vor dem Publikum einen Mitmach-Tanz präsentierte: obwohl noch mehr Volontär*innen als Begleitung der anderen Gruppen, bestehend aus Kinderheimen und Kirchengruppen anwesend waren, wurden Jonas und ich gezwungen, uns vorne zum Affen zu machen – immerhin Ricardo und unsere Kinder hatten Spaß…

Als der tatsächliche Wettbewerb dann anfing, waren wir drei etwas irritiert von den Kategorien: unsere Akrobatiker*innen und die Brassband kamen gar nicht zum Einsatz, dafür hatten einige unserer Kinder sich vorher auf Disziplinen wie „so wie Bibelverse wie möglich-Zitieren“ oder „Ernährung“ (Vortrag zu einem ausgewogenen kenianischen Mittagessen) vorbereiten müssen. Obwohl die vielen Kategorien, in denen die schätzungsweise sieben Gruppen gegeneinander antraten vorausschauend auf zwei verschiedene Räume aufgeteilt worden waren, zog sich das Programm ziemlich vor sich hin. Obwohl wir eine Pause hatten, um das dringend gebrauchte Mittagessen zu bekommen, waren Ricardo und Jonas irgendwann ziemlich gelangweilt und quengelten mehr als unsere Kinder. Als wir dann gegen fünf Uhr abends bei den Preisverleihungen angekommen waren, konnte ich sie verstehen, wurde aber von der Empörung abgelenkt, die mit den Preisen einherging: obwohl unser Star Faith Kamara aus der siebten Klasse (die z.B. auch Schulsprecherin ist) mit ein wenig Unterstützung meinerseits eine tolle Rede geschrieben und diese beeindruckend frei gehalten hatte unsere Tänzerinnen eine unglaubliche Choreographie präsentierten, würdigte die seltsame Jury nur unseren Chor und die Zeichnungen, die Christine Nafula im Kunstwettbewerb gezeigt hatte. Obwohl sowohl die Kinder und wir Volontär*innen, als auch unsere Lehrer enttäuscht waren, beließen wir es dabei und warteten mit gemischten gefühlten Gefühlen auf unseren Bus nach Hause. Nicht nur ich schlief dann schon auf dem Heimweg ein und fiel nach zwölf Stunden unterwegs ziemlich direkt ins Bett.

Zum Schluss dieses extrem langen Blogeintrags (es tut mir wirklich leid!!), der aber immerhin themenbezogen ist, noch ein paar Worte zu einem der mir liebsten Ereignisse in den Ferien: Anfang November verbrachte ich zum ersten Mal in meinem Leben meinen Geburtstag einen Kontinent von  meiner Familie entfernt. Als letzte von uns dreien wurde ich 19 und feierte erst sehr lustig mit Jonas und Ricardo in den Tag hinein, um dann morgens nach Ausschlafen meinerseits und sonntäglichem Gottesdienst seitens der Kinder von ihnen „gewaschen“ wurde. Den Prozess hatte ich anlässlich Ricardos Geburtstags ja schon beschrieben, aufgrund des Fehlens von Unterricht zog sich die Prozedur bei mir aber um einiges länger hin, bis mir so kalt war, dass ich unter die Dusche verschwinden musste. Insgesamt verbrachte ich einen sehr schönen Tag: viele schönen Grüße und kompliziert zugestellte Geschenke von Zuhause und Massen an in der Bücherei gemalten Geburtstagsgrüßen von unseren Kindern wurden zwar von einem Sturz Ricardos auf dem Skatepark zwischenzeitig in den Schatten gestellt. Er schaffte es aber trotzdem nach einem Krankenhausaufenthalt, mit Jonas und mir den Tag in einem indischen Tag ausklingen zu lassen.

So viel zu unseren Ferien, im nächsten Beitrag erfahrt ihr dann etwas mehr über uns drei und erlebt wieder einen Abschied.

 

Recent News

Nachrichten von Shangilia .. Immer etwas Neues und Aufregendes passiert, wenn du hilfst, eine Schule zu leiten!

Shangilia in Corona Zeiten

Shangilia in Corona Zeiten

In Kenia steigen die Zahlen der Corona Infizierten leicht an, aber schwere Infektionen sind eher selten. Bisher liegt die Zahl der Corona Toten bei 460  und ist damit verhältnismäßig gering. Leider bleiben die Schulen bis Ende des Jahres geschlossen. Das gesamte...